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Narrabelle – Stories of Love

Artikel: Die Rückkehr

Die Rückkehr

Die Rückkehr

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Schließ die Augen und fang an zu träumen.

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Die Hitze klebte an Lenas Haut. Sie riss das Fenster auf, aber die Nachtluft brachte keine Erlösung – nur den Geruch von heißem Asphalt und fernem Gewitter.

Hinter ihr blätterte Markus eine Seite um. Zu laut. Zu demonstrativ.

Vier Tage war er zurück. Vier Tage, in denen sie einander umkreisten wie Fremde.

„Willst du was trinken?"

„Nein."

Sie ging trotzdem in die Küche, schenkte sich Wasser ein, das sie nicht wollte. Ihre Finger zitterten.

„Lena. Komm her."

Keine Bitte. Sie hasste, dass sie trotzdem ging.

 

Eine nächtliche Szene in einer Wohnung: Ein Mann sitzt nachdenklich im Schatten auf einem Sofa unter einer Stehlampe, während im Hintergrund eine Frau im weißen Hemd im hell erleuchteten Türrahmen zur Küche steht.

 

Markus hatte die Zeitschrift weggelegt. Seine Augen folgten ihr. Grau, wach, gefährlich aufmerksam.

„Setz dich."

„Warum?"

„Weil wir reden müssen."

Sie blieb stehen. „Dann red."

Ein halbes Lächeln. „Setz dich trotzdem."

Sie setzte sich in den Sessel gegenüber, nicht neben ihn. Der Abstand fühlte sich sicherer an.

Er lehnte sich vor. Seine Unterarme auf den Knien, die Muskeln unter der gebräunten Haut deutlich sichtbar. „Du bist anders."

„Drei Monate sind lang."

„Nicht so lang."

„Lang genug, dass du kein einziges Mal angerufen hast."

„Ich hatte—"

„Kein Netz. Ich weiß." Sie lachte, kalt. „Drei Monate ohne Netz."

„Ich wollte, dass du mich vermisst."

Die Worte trafen wie eine Ohrfeige. Lena sprang auf. „Du Arsch."

„Hat funktioniert."

„Fick dich."

Sie drehte sich zur Tür. Er war schneller. Seine Hand schloss sich um ihr Handgelenk – nicht fest, aber bestimmt genug, dass sie stoppte.

„Lass mich los."

„Nein."

„Markus—"

„Sieh mich an."

Sie riss sich los, aber sie drehte sich um. Ihr Herz hämmerte. Sie waren zu nah. Sie konnte den Geruch seiner Haut riechen – Seife und etwas Dunkles, das sie nicht benennen konnte.

„Was willst du?" Ihre Stimme brach.

„Dass du aufhörst zu lügen."

„Ich lüge nicht."

„Du lügst die ganze Zeit. Seit dem ersten Abend."

„Dann geh doch!"

„Nein."

„Warum nicht? Du gehst doch immer!"

„Weil ich zurückkomme. Jedes Mal."

„Das reicht nicht!"

„Was würde reichen?"

 

Ein geteiltes Bild, das die emotionale Distanz zeigt: Links steht eine Frau im weißen Hemd im Halbschatten und blickt ernst in die Kamera; rechts sitzt ein Mann allein vor einer Wand, auf die Jalousien streifenförmige Schatten werfen.

 

Die Frage hing zwischen ihnen. Lena spürte, wie ihre Augen brannten, wie ihr Atem zu schnell ging. „Ich weiß es nicht."

Markus hob die Hand, berührte ihr Gesicht. Seine Finger waren warm, seine Handfläche rau. „Lüg nicht."

„Du tust mir weh." Ihre Stimme nur ein Flüstern.

„Ich bin noch nicht mal nah genug dran."

„Genau das ist das Problem."

Etwas flackerte in seinen Augen. Er trat näher. Sein Atem streifte ihre Stirn. „Dann sag mir, was du willst."

„Dass du gehst."

„Lüg nicht."

„Dass du bleibst."

„Besser."

„Dass du mich nicht wieder—" Die Worte blieben stecken.

Seine zweite Hand legte sich in ihren Nacken, warm, fest, sicher. „Sag es."

„Verlässt."

Die Tränen kamen, heiß und wütend. Sie schlug gegen seine Brust, einmal, zweimal. Er ließ sie. Fing dann ihre Handgelenke, drückte sie sanft nach unten.

„Es tut mir leid."

„Sag das nicht."

„Es tut mir leid, dass ich gegangen bin."

„Du gehst immer."

„Ich bin zurückgekommen."

„Diesmal. Und nächstes Mal? Und das Mal danach?"

„Ich weiß es nicht."

Die Ehrlichkeit traf härter als jede Lüge. Lena lachte, ein ersticktes Geräusch. „Wenigstens gibst du es zu."

„Ich lüge dich nicht an. Nicht dabei." Seine Hände glitten ihre Arme hinauf, Daumen an der Innenseite ihrer Handgelenke, wo ihr Puls zu schnell schlug. „Ich weiß nicht, was morgen ist. Aber jetzt bin ich hier."

 

Eine intime Nahaufnahme, in der ein Mann sanft, aber bestimmt das Handgelenk einer Frau im weißen Hemd umfasst, während sie ihn mit einem durchdringenden, ernsten Blick ansieht.

 

„Das reicht nicht."

„Dann nimm, was reicht."

Sie sah ihn an. Wirklich an. Die Erschöpfung um seine Augen, die neuen Linien an seinem Mund. Er sah älter aus. Härter. Aber seine Hände waren sanft.

„Ich hasse dich," flüsterte sie.

„Ich weiß."

„Ich meine es."

„Ich weiß."

„Und trotzdem—"

Er küsste sie, bevor sie den Satz beenden konnte. Hart, hungernd, als wären drei Monate zu lang gewesen. Lena erstarrte, dann schmolz sie gegen ihn, ihre Finger in seinem Hemd, zerrend, wütend, verzweifelt.

Seine Hände in ihren Haaren, an ihrer Taille, überall. Zu viel und nicht genug.

„Ich hasse dich," murmelte sie gegen seinen Mund.

„Zeig mir."

Sie biss seine Unterlippe. Er zog scharf die Luft ein, lächelte gegen ihren Mund. „Härter."

„Du bist krank."

„Du auch."

Er hob sie hoch. Sie schlang die Beine um seine Taille, während er sie gegen die Wand drückte. Das Bild hinter ihrem Kopf klirrte.

„Du bist unmöglich," keuchte sie.

„Du liebst es."

„Ich hasse es."

„Lügnerin."

Sein Mund an ihrem Hals, ihre Hände in seinen Haaren, ziehend, festhaltend. Seine Zähne an ihrer Halsbeuge, nicht sanft.

„Markus—"

„Sag es."

„Nein."

„Sag es."

„Nie."

Er lachte, dunkel, vibrierend gegen ihre Haut. „Sturköpfig."

„Von dir gelernt."

Er trug sie zum Sofa, ließ sich mit ihr fallen. Sie landete auf ihm, ihre Knie links und rechts seiner Hüften, ihre Haare ein Vorhang um beide Gesichter.

„Ich bin immer noch wütend," sagte sie.

„Ich weiß."

„Und ich vergebe dir nicht."

„Erwarte ich nicht."

„Gut."

 

Ein intimer Moment der Versöhnung: Ein Paar sitzt eng umschlungen auf einem Sofa und küsst sich leidenschaftlich im warmen Dämmerlicht; die Frau trägt ein weites, weißes Hemd.

 

Sie küsste ihn wieder, langsamer diesmal, tiefer. Seine Hände glitten unter ihr Shirt, warm gegen ihre Haut. Sie zitterte.

„Kalt?"

„Nein."

„Nervös?"

„Halt die Klappe."

Er lachte, und sie spürte das Vibrieren in ihrer eigenen Brust. Als wären sie verbunden. Als wären sie nie getrennt gewesen.

Aber sie waren getrennt gewesen. Drei Monate.

Sie löste sich, saß zurück. Ihre Hände flach auf seiner Brust. Sein Herzschlag unter ihren Handflächen, zu schnell.

„Was ist?" Seine Stimme rau.

„Ich will, dass es weh tut."

„Was?"

„Dich. Ich will, dass es weh tut, wenn du wieder gehst."

Etwas verschob sich in seinem Gesicht. Er setzte sich auf, sie immer noch auf seinem Schoß. Seine Hände umfassten ihr Gesicht.

„Dann mach mich abhängig," flüsterte er. „Mach, dass ich nicht gehen kann."

„Du gehst trotzdem."

„Vielleicht. Aber es wird wehtun."

„Versprichst du das?"

„Ja."

Sie küsste ihn, langsam, gründlich, wie ein Versprechen. Wie eine Drohung.

 

 

Später lagen sie auf dem Sofa, verschlungen, verschwitzt, erschöpft. Draußen regnete es. Das Geräusch auf dem Fensterbrett wie ein Rhythmus.

„Lena?"

„Mm?"

„Ich liebe dich."

Sie sagte nichts. Nur drückte sie sich näher, ihr Gesicht an seiner Schulter, ihr Atem gegen seine Haut.

„Du musst es nicht sagen," murmelte er in ihr Haar.

„Gut."

„Aber ich weiß es trotzdem."

„Du bildest dir Sachen ein."

„Tue ich nicht."

Seine Hand strich ihren Rücken hinauf, hinab, ein endloser, beruhigender Rhythmus.

„Wenn du wieder gehst," flüsterte sie, „komm nicht zurück."

„Okay."

„Ich meine es."

„Ich weiß."

„Dann bleib."

„Heute?"

„Heute."

„Morgen?"

„Frag mich morgen."

Er küsste ihren Scheitel. „Deal."

Sie schloss die Augen. Der Regen wurde stärker. Irgendwo in der Wohnung tropfte ein Wasserhahn.

Aber hier, jetzt, in seinen Armen, fühlte sich alles richtig an.

Auch wenn es falsch war.

Vielleicht gerade deshalb.

 

 

Am Morgen wachte sie vom Kaffeegeruch auf. Markus stand am Fenster, eine Tasse in der Hand, die Morgensonne auf seiner nackten Haut.

„Morgen," sagte er, ohne sich umzudrehen.

„Du bist noch da."

„Hab's versprochen."

Sie stand auf, wickelte sich in die Decke, ging zu ihm. Lehnte sich gegen seinen Rücken.

„Und heute?"

„Heute bin ich auch noch da."

„Und morgen?"

„Frag mich morgen."

Sie schloss die Augen, atmete ihn ein. „Okay."

Seine Hand fand ihre, verschränkte ihre Finger.

Draußen erwachte die Stadt. Laut, chaotisch, lebendig.

 

Zwei Porträtaufnahmen einer Frau mit welligem, braunem Haar: Oben eine Nahaufnahme ihres ernsten Gesichts im warmen Licht, unten steht sie im Halbschatten eines Türrahmens und blickt direkt zum Betrachter.

 

Aber hier, in diesem Moment, war alles still.

Lena wusste, es würde nicht halten. Nichts hielt je.

Aber für jetzt reichte es.

Für jetzt war es genug.

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