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Narrabelle – Stories of Love

Artikel: Fake-Verlobung in Berlin

Fake-Verlobung in Berlin

Fake-Verlobung in Berlin

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Schließ die Augen und fang an zu träumen.

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Der Himmel über Berlin-Mitte hatte diese spezifische Farbe angenommen, die Sophie Brenner immer an ausgebleichte Aquarellfarben erinnerte: Grau mit einem Rest Orange darin, ein Abendrot, das sich nicht entscheiden konnte. Sie stand vor dem Fahrstuhl im 22. Stockwerk und wartete darauf, dass sich die Türen öffneten, und betrachtete dabei ihr eigenes Spiegelbild in der polierten Metalloberfläche. Schwarze Hose, weiße Bluse, die Haare zu einem ordentlichen Knoten aufgesteckt. Professionell. Kompetent. Jemand, der nicht gerade nachts um elf Zahlen starrte und versuchte zu begreifen, wie ein Designstudio mit drei Mitarbeitenden innerhalb von achtzehn Monaten an den Rand der Zahlungsunfähigkeit geraten konnte.

Die Fahrstuhltüren öffneten sich.

Overbeck Capital hatte das gesamte 22. Stockwerk gemietet, und man merkte es. Kein einziger Quadratzentimeter wirkte unüberlegt: Beton, dunkle Hölzer, Glas in Böden bis zur Decke. Die Art von Innenarchitektur, bei der Sophie als erstes nachschaute, wer entworfen hatte, und als zweites bemerkte, was sie selbst anders gemacht hätte. Hier: die Deckenbeleuchtung war zu gleichmäßig. Zu wenig Schatten. Schöne Räume brauchten Schatten.

Eine Assistentin führte sie durch und sagte nichts Überflüssiges. Vor einer Glastür blieb sie stehen, klopfte einmal, öffnete.

Niklas Overbeck stand am Fenster.

Sophie kannte ihn von einem Pitch vor vier Monaten, bei dem sein Team ihr Konzept für ein neues Wohnprojekt in Charlottenburg höflich abgelehnt hatte. Damals hatte sie ihn als einen von diesen Männern eingeordnet, die zuhörten und trotzdem bereits entschieden hatten. Groß, ruhig, mit dieser spezifischen Körperhaltung, die weniger nach Macht aussah als nach Gewissheit. Als hätte er nie gelernt, sich zu rechtfertigen, weil es nie nötig gewesen war.

Jetzt drehte er sich um, und Sophie bemerkte, dass er müde aussah. Nicht erschöpft, aber als hätte der Tag an irgendetwas gezogen, das er nicht zeigen wollte.

„Frau Brenner. Danke, dass Sie gekommen sind."

„Ihr Assistent hat den Begriff dringend benutzt." Sie trat einen Schritt in den Raum. „Das weckt Erwartungen."

Er deutete auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. „Setzen Sie sich."

„Ich stehe lieber."

Kurze Pause. Dann ein kaum wahrnehmbares Nicken. Er setzte sich selbst, verschränkte die Hände auf dem Schreibtisch und sah sie an mit dieser Art von Aufmerksamkeit, die Sophie unangenehm fand, weil sie sich anfühlte wie gründliches Lesen.

„Ich habe ein ungewöhnliches Angebot für Sie. Es hat nichts mit Architektur zu tun."

„Dann höre ich doppelt aufmerksam zu."

Er legte eine kurze Pause ein, und Sophie verstand, dass er sie nutzte, um etwas abzuwägen. Das war interessant. Männer in seiner Position wogen selten etwas ab, bevor sie sprachen.

„Mein Großvater ist achtundsiebzig Jahre alt und besitzt fünfunddreißig Prozent der Unternehmensanteile. Er hat angekündigt, dass er diese Anteile an meinen Cousin Bernd übertragen wird, wenn ich bis Ende des nächsten Monats nicht verlobt bin." Er sagte es ohne Entschuldigung. „Bernd ist dreiundfünfzig, trägt Karohemd zu Gesellschaftsabenden und würde das Unternehmen innerhalb von zwei Jahren an einen Immobilienfonds verkaufen."

Sophie wartete.

„Ich brauche vier Wochen eine Verlobte. Jemanden, der überzeugend wirkt, der sich in Gesellschaft bewegt, der meinen Großvater kennenlernt und ihm das gibt, was er sehen möchte." Er sah sie an. „Ein Arrangement. Ohne weitere Verbindlichkeiten."

Das Schweigen im Raum hatte eine eigentümliche Qualität. Hinter Overbecks Kopf zog sich die Skyline Berlins in die Dämmerung, und die ersten Lichter gingen an.

„Warum ich?", fragte Sophie.

„Weil ich Sie beobachtet habe." Er sagte es ohne Umschweife. „Sie sind bei unserem Pitch vor vier Monaten aufgestanden, nachdem mein Team Ihr Konzept ablehnte, und haben gesagt: Das ist ein Fehler, aber ich respektiere Ihre Entscheidung. Dann sind Sie gegangen. Kein Groll, keine Szene. Mein Großvater mag keine Szenen."

Sophie ließ das einen Moment wirken. „Was wäre die Gegenleistung?"

„Das Charlottenburger Projekt. Vollständig. Ihr Studio als Hauptauftragnehmer, kein Ausschreibungsverfahren, direkte Beauftragung. Sieben Millionen Euro Projektvolumen."

Sieben Millionen. Sophie Brenners Studiorechnungen summierten sich auf knapp hundertzwanzigtausend Euro, die fällig waren. Sieben Millionen war nicht nur Rettung, das war Luft für drei Jahre.

„Welche Erwartungen haben Sie konkret?", sagte sie, und ihre Stimme verriet nichts.

„Gemeinsame Auftritte. Familienessen bei meinem Großvater in Hamburg, zweimal in vier Wochen, vielleicht ein Wochenende auf dem Anwesen."

Sophie ließ sich einen Moment Zeit. Die Zahlen hatten sich bereits in ihrem Kopf zusammengesetzt, automatisch, wie immer, wenn sie versuchte, Emotionen in Logik umzuwandeln: vier Wochen, zwei Familienessen, ein Wochenende, sieben Millionen Euro. Ein klarer Tausch.

„Ich brauche eine Klausel", sagte sie. „Schriftlich. Wenn das Projekt nach Ende der Vereinbarung nicht innerhalb von dreißig Tagen beauftragt wird, verfalle ich auf eine Entschädigungszahlung von zweihundertfünfzigtausend Euro."

Niklas sah sie an, und etwas in seinem Gesichtsausdruck verschob sich. Überraschung wäre das falsche Wort gewesen. Eher Kalibrierung.

„Einverstanden."

„Dann", sagte Sophie, „erkläre mir, was Ihr Großvater sehen möchte."

Das war der Moment, in dem die nächsten vier Wochen ihres Lebens begannen.

Das erste Familienessen fand in einem Privatclub in Charlottenburg statt, einem dieser Orte, die keine Schilder brauchten, weil man sie entweder kannte oder nicht. Dunkelgrüne Wände, weißes Damastleinen, Kerzen in echten Silberleuchtern. Sophie trug das einzige wirklich gute Kleid, das sie besaß: Mitternachtsblau, sachlich geschnitten, mit einem Ausschnitt, der andeutete, ohne zu betonen. Niklas wartete an der Tür des Clubs auf sie, und sein Blick glitt einmal kurz über sie, ohne zu kommentieren.

„Mein Großvater heißt Heinrich", sagte er, während sie die Treppe hochgingen. „Er ist direkt. Er hasst Small Talk. Am besten erzählen Sie ihm, was Sie tatsächlich denken."

„Was ist, wenn er das nicht mag?"

„Dann wird er es trotzdem respektieren."

Heinrich Overbeck war kleiner, als Sophie erwartet hatte. Siebzig, achtundsiebzig Jahre, aber er saß aufrecht, und seine Augen hatten die Schärfe von jemandem, der gelernt hatte, Dinge beim ersten Hinsehen richtig einzuschätzen. Er sah Sophie an, als Niklas sie vorstellte, und dann sah er Niklas an. Was er in diesem Blickwechsel suchte, verstand Sophie erst später.

Das Essen verlief gut. Zu gut, eigentlich. Sophie erzählte von einem Restaurierungsprojekt in einem Gründerzeithaus in Neukölln, das ihr Team letztes Jahr abgeschlossen hatte, und Heinrich fragte nach, präzise, ohne Höflichkeitspuffer. Niklas saß ihr gegenüber und hörte zu, und einmal, als Sophie eine Formulierung wählte, die ihn amüsierte, sah er sie kurz an mit einer Wärme, die sie nicht eingeplant hatte.

Dann kam der Moment beim Aufstehen, als sie an Heinrich vorbei zur Garderobe wollte und Niklas aus einer Reflexbewegung die Hand auf ihren unteren Rücken legte. Nur Sekunden. Leicht, selbstverständlich, als wäre es das Natürlichste der Welt. Und Sophie lehnte sich in die Berührung, bevor das Gelernte, das Vorsichtige in ihr reagieren konnte. Ihr Körper entschied sich vor ihrem Kopf.

Sie bemerkte es erst, als seine Finger ganz leicht Druck ausübten und sie sich daran anpasste, einen halben Schritt näher an seine Seite.

Im Taxi schwiegen beide, bis auf die halbe Strecke. Dann sagte Niklas: „Das hat gut funktioniert."

„Ja", sagte Sophie, und schaute aus dem Fenster.

Das Wochenende in Potsdam begann mit Nieselregen, der an den Fenstern des alten Landhauses abwärts lief wie Schrift, die jemand nicht entziffern konnte. Das Anwesen war groß, mit einer ruhigen Schwere in seinen Mauern, die Sophie an Häuser erinnerte, in denen viele Entscheidungen getroffen worden waren. Drinnen roch es nach Kaminholz und alten Büchern und dem spezifischen Geruch von Räumen, die lang genug dieselben Menschen kannten.

Das Problem mit dem Zimmer stellte sich am ersten Abend heraus: Heinrich hatte ganz selbstverständlich angenommen, dass Verlobte ein Zimmer teilen. Niemand hatte das diskutiert, und Sophie merkte es erst, als sie mit ihrem Gepäck vor der Tür stand und Niklas ohne Zögern eintrat, als wäre es selbstverständlich.

Es war ein großes Zimmer. Das half wenig.

Sie vereinbarten die Aufteilung mit der Sachlichkeit von zwei Menschen, die beide wissen, dass es keine guten Lösungen gibt, nur verschiedene Kompromisse. Sophie schlief auf der linken Seite des Betts, er auf der rechten, und zwischen ihnen lag genug Matratze, um einen technisch korrekten Abstand zu behaupten.

Was Sophie nicht eingeplant hatte, war, dass sie um halb vier aufwachte und nicht mehr einschlafen konnte.

Sie lag auf der Seite und hörte auf Niklas' ruhigen Atem, den gleichmäßigen Rhythmus des Schlafs, und dann fiel ihr Blick auf sein Gesicht im schwachen Licht, das durch die nicht ganz geschlossenen Vorhänge fiel. Die Stirn war leicht gerunzelt. Auch im Schlaf diese kleine, angespannte Falte zwischen den Brauen, als hätte sein Körper vergessen, wie man vollständig nachgibt.

Sophie betrachtete das länger, als sie es hätte tun sollen.

Am nächsten Morgen, beim Frühstück, das Heinrich früh ansetzte, sagte keiner von beiden ein Wort über die Nacht, obwohl etwas zwischen ihnen lag wie ein noch ungelesener Brief.

Heinrich rief am Dienstagabend an.

Niklas stand in seiner Küche und hörte die vertraute Stimme seines Großvaters, die den Weg durch das Telefon nahm und trotzdem dieselbe Dichte hatte wie in Person. Der alte Mann kam ohne Einleitung zur Sache. Er sagte, er habe es gewusst. Seit dem ersten Abend im Club, als Sophie über das Neuköllner Restaurierungsprojekt gesprochen hatte und Niklas sie so angesehen hatte, als würde er einen Text zum ersten Mal wirklich lesen.

„Das war kein Arrangement", sagte Heinrich. „Zumindest nicht mehr."

Niklas schwieg.

„Die Anteile gehen an dich. Das war immer der Plan." Kurze Pause. „Aber ich sage dir auch: Das Mädchen hat echte Augen. Solche Augen lügen nicht lange."

Das Gespräch dauerte vier Minuten. Danach blieb Niklas an der Küchenzeile stehen und sah auf Berlin hinunter, auf die gleichgültigen Lichter der Stadt, und versuchte herauszufinden, was er jetzt tun sollte mit dieser neu entstandenen Stille. Der Deal war erledigt. Die Vereinbarung beendet. Er hätte Sophie eine Nachricht schicken können, kurz und klar, wie es dem Arrangement entsprach. Genau das hätte er tun sollte.

Er rief stattdessen ein Taxi.

Sophies Studio lag in einem Innenhof in Prenzlauer Berg, drittes Stockwerk, erkennbar an den Fenstern, die bis in die Nacht Licht durchließen. Niklas hatte die Adresse von dem Vertrag, den seine Rechtsabteilung aufgesetzt hatte, und er stand unten im Hof und betrachtete das erleuchtete Fenster länger als nötig, bevor er klingelte.

Sie öffnete mit Malerkrepp in der einen und einem Tacker in der anderen Hand. Hinter ihr stapelten sich Musterboards, Kabelrollen, eine neue Stehlampe noch in der Verpackung. Sie hatte das Geld offensichtlich bereits in Bewegung gesetzt, und etwas in Niklas zog sich zusammen bei dem Anblick. So präzise, so typisch Sophie: direkt weitermachen.

„Der Deal ist durch", sagte er, ohne Begrüßung, weil es keinen guten Anfang gab. „Heinrich hat angerufen. Er hat alles gewusst, schon von Anfang an. Und er überträgt die Anteile trotzdem."

Sophie senkte den Tacker. Ihr Gesicht war schwer zu lesen, aber er hatte in den letzten vier Wochen gelernt, auf die kleineren Signale zu achten: den leichten Zug um den Mund, wenn sie etwas verarbeitete, das kurze Blinzeln tiefer Konzentration.

„Du hättest mir das auch schreiben können", sagte sie.

„Ich weiß."

Das Wort war ehrlicher als alles, was er in den letzten Jahren gesagt hatte.

Niklas trat einen halben Schritt über die Türschwelle, nicht genug, um einzutreten, nur genug, um den Abstand zu reduzieren. Draußen auf dem Hof war das Pflaster feucht vom Abendnebel, und der Geruch zog mit ihm herein: nasses Herbstlaub, Farbe, frisches Holz.

„Ich bitte dich, zu bleiben", sagte er. „Als die Person, bei der ich aufgehört habe zu rechnen, wie viel Raum ich einnehme."

Sophie sah ihn an. Die Stehlampenverpackung lehnte an ihrer Wade. Das Licht in ihrem Studio war zu warm und zu unfertig, wie der Raum selbst, und Niklas fand das zum ersten Mal schön: etwas, das noch nicht fertig war.

Sie legte den Tacker auf den nächsten Karton. Dann streckte sie die Hand aus.

Ihre Finger schlossen sich um seine, ruhig, ohne Drama, und sie zog ihn in eine Richtung, die weg von diesem Raum führte.

„Komm", sagte sie. „Ich weiß, wo wir angefangen haben."

Das Penthouse-Büro lag im Obergeschoss von Niklas' Apartment, durch eine Treppe erreichbar, die tagsüber nach Arbeit aussah und jetzt, in der Stille nach Mitternacht, nach etwas anderem. Sophie kannte den Weg bereits: zwei Wochen zuvor hatte Niklas ihr den Raum gezeigt, kurz, fast beiläufig, als wäre er sich selbst nicht sicher gewesen, warum er sie dorthin mitnahm. Große Fensterfront, der Schreibtisch aus dunklem Nussbaum, die Stadt tief unten, die nie wirklich dunkel wurde.

Jetzt öffnete sie die Tür, trat ein, und er folgte ihr.

Die Nachtbeleuchtung von Berlin fiel durch die Fenster und malete schmale, orangefarbene Streifen über den Boden. Kein anderes Licht. Sophie drehte sich zu ihm um, und Niklas sah, dass sich irgendetwas in ihr verändert hatte seit der Türschwelle. Was übrig geblieben war, sah aus wie Entschlossenheit, und es hatte etwas in seiner Brust zur Folge, das sich anfühlte wie Nachgeben.

Sie trat auf ihn zu und legte beide Hände flach auf seine Brust, und er spürte die Wärme durch das Hemd hindurch. Dann schob sie ihn, langsam, mit ruhigem Druck, bis seine Oberschenkel den Schreibtisch berührten.

„Du kontrollierst immer alles", sagte sie leise. „Aber heute nicht."

Niklas sagte nichts. Seine Hände, die sonst immer wussten, wo sie hingehörten, lagen offen an den Oberschenkeln, und er ließ es zu, ließ sie diese Entscheidung treffen für ihn.

Sophie spürte, wie etwas in ihm nachgab. Es war kein dramatischer Moment, kein Zusammenbruch, eher das Gegenteil: Er wurde ruhiger, als hätte er endlich aufgehört, gegen eine Strömung anzuschwimmen, die er nie benennen wollte. Ihre Finger glitten an seinem Hemd entlang und öffneten die Knöpfe, einen nach dem anderen, langsam, weil sie wollte, dass er jeden Moment spürte, in dem er ihr die Kontrolle überließ.

Er ließ es zu.

Unter dem Hemd war seine Haut warm, und Sophie legte die Handfläche flach auf seinen Bauch und fühlte, wie seine Muskeln sich unter der Berührung anspannten. Sein Atem hatte sich verändert, tiefer, ungleichmäßiger, und sie fand darin eine Befriedigung, die nichts mit Triumph zu tun hatte. Es war das erste Mal, dass sie Niklas Overbeck überrascht hatte.

„Sophie." Ihr Name in seinem Mund klang anders als sonst. Weniger kontrolliert.

Sie zog das Hemd von seinen Schultern und ließ es fallen. Im orangefarbenen Licht, das die Stadt durch die Fenster schickte, sah er aus wie ein Gemälde, das jemand zu ernsthaft angelegt hatte: die Linien seines Oberkörpers, die schmale Narbe unterhalb der linken Rippe, die sie noch nie erwähnt hatte, aber oft bemerkt. Sie legte den Mund dort hin, nur kurz, und spürte, wie er die Luft zwischen den Zähnen einsog.

Dann griff sie nach seinen Händen und legte sie an ihre Hüften. Eine Erlaubnis und eine Aufforderung in einer Geste.

Er brauchte keinen zweiten Hinweis.

Seine Finger fanden den Reißverschluss ihres Kleides, und er öffnete ihn mit einer Langsamkeit, die sie selbst nicht erwartet hatte von ihm. Der Stoff glitt von ihren Schultern, und Niklas sah sie an, ruhig und vollständig, und das war schlimmer als alles andere, weil sie sich nicht wegducken konnte davor.

„Ich habe in den letzten vier Wochen darüber nachgedacht", sagte er, „wie sich das anfühlen würde."

„Und?"

„Ich hatte keine Worte dafür."

Er zog sie näher, und das Letzte, was sie sah, bevor seine Lippen ihren Hals fanden, war Berlin hinter der Glasfront, die tausend kleinen Lichter, vollständig gleichgültig gegenüber dem, was sich in diesem Raum entschied.

Was folgte, hatte keine Eile in sich. Er küsste ihren Hals, ihre Schulter, die Kurve zwischen Schulter und Schlüsselbein, und Sophie hielt sich an seiner Taille fest und spürte, was er ihr zeigte: dass er ganz hier war, ohne schon woanders zu sein.

Sie kletterte auf den Schreibtisch, zog ihn mit sich, und er folgte ihr, seine Hände an ihrem Rücken, jetzt ohne Zögern. Sie spürte seine Erektion gegen ihre Hüfte und öffnete die letzten Zentimeter Abstand zwischen ihnen. Er ließ sie das Tempo bestimmen, ließ sie entscheiden, wann, und als sie ihn schließlich in sich aufnahm, langsam, mit dem Gewicht ihres eigenen Körpers, sagte er ihren Namen, einmal, leise, wie ein Anker.

Sie bewegten sich zusammen, in diesem orangegoldenen Licht, mit der Stadt als gleichgültigem Zeugen, und Sophie spürte, wie etwas in ihr nachgab, das sie vier Wochen lang gehalten hatte: das Vorsichtige, das Berechnende, die saubere Linie zwischen Vereinbarung und Wahrheit.

Sein Mund fand ihren.

Sie kletterte auf den Schreibtisch, zog ihn mit sich, und er folgte ihr, seine Hände an ihrem Rücken, jetzt ohne Zögern. Ihre Finger fanden seinen Gürtel, öffneten ihn mit einer Ruhe, die sie selbst überraschte, und er half ihr, bis sein Hemd und der Rest auf dem Boden lagen. Im orangefarbenen Licht der Stadt sah sie ihn zum ersten Mal, und sie ließ die Hand an ihm entlanggleiten, langsam, mit dem vollen Gewicht ihrer Aufmerksamkeit, bis sein Atem sich in etwas verwandelte, das keine Fassung mehr hatte.

Er schob den Stoff ihres Slips zur Seite und fand sie bereits feucht, und Sophie spürte, wie sein Daumen ihren Kitzler traf, präzise, ohne zu suchen, als hätte er sich die genaue Stelle bereits gedacht. Sie biss sich auf die Unterlippe, ließ den Kopf kurz zurückfallen, und er sah ihr dabei zu, ohne wegzuschauen. Sein Daumen bewegte sich in kleinen, gleichmäßigen Kreisen, und Sophie griff nach seinen Schultern, weil sie etwas brauchte, woran sie sich festhalten konnte, während ihr Körper sich unter seinen Händen neu sortierte.

„Niklas." Sein Name klang in ihrem Mund anders als sie erwartet hatte. Einfach sein Name, und das reichte.

Sie zog den Slip zur Seite und führte ihn zu sich, ließ ihn an ihrer Öffnung spüren, wie bereit sie war, und dann ließ sie ihn eingleiten, langsam, mit dem vollen Gewicht ihres Körpers, Zentimeter um Zentimeter, bis er vollständig in ihr war. Sein Atem traf ihren Hals in einem einzigen, scharfen Ausatmen. Sophie hielt inne, spürte die Fülle von ihm, die Art, wie ihr Körper sich um ihn schloss, und wartete, bis das erste Beben nachließ.

Dann begann sie sich zu bewegen.

Er ließ sie das Tempo bestimmen, die Hände an ihren Hüften, die Finger eingehakt, fest aber ohne Druck, als würde er ihr zeigen, dass er sie hielt und sie trotzdem frei ließ. Sophie bewegte sich in einem Rhythmus, der sich aus ihrem eigenen Körper heraus ergab, und spürte, wie er bei jedem Stoß gegen die Stelle traf, die sie brauchen konnte, wenn sie wollte. Sie wollte.

Seine Lippen fanden ihre Brustwarze, und das Saugen schickte einen Blitz durch ihren Bauch, der sie tiefer in ihn drückte. Sie hörte sich selbst aufstöhnen, kein bewusster Laut, und er antwortete mit einem Growl gegen ihre Haut, das nichts mehr von Kontrolle hatte. Seine Hüften begannen gegenzustoßen, langsam zuerst, dann mit mehr Gewicht, und Sophie umschloss ihn fester mit den Schenkeln und ließ es zu.

Das Beben baute sich auf. Sie spürte es in ihrem Bauch, in den Innenseiten ihrer Schenkel, in der Art, wie sie sich tief aufeinander zubewegten. Niklas sagte ihren Namen, einmal, leise, wie ein Anker, und das trug sie über die Kante: sein Mund, der ihren Namen sprach, als wäre er das einzige Wort, das er noch wusste.

Sophie kam mit einem Beben, das von ihrem Schoß durch den Bauch und in die Brust fuhr, und sie drückte sich fest gegen ihn und hielt ihn, während es durch sie hindurchging. Niklas folgte ihr Sekunden später, die Hände fest an ihren Hüften, der Körper in einem einzigen, tiefen Stoß verankert, und sie spürte ihn in sich beben.

Danach: Stille. Nur ihr gemeinsamer Atem und die gleichgültige Stadt hinter dem Glas.

Als sie später an der Fensterfront standen, seine Arme um sie, ihr Rücken gegen seine Brust, sagte Niklas leise in ihr Haar: „Ich würde gerne wissen, was du hier verändern würdest. An diesem Raum."

Sophie betrachtete die Deckenbeleuchtung, die gleichmäßige, schattenlose Helligkeit, und dann lehnte sie sich fester gegen ihn.

„Mehr Schatten", sagte sie. „Schöne Räume brauchen Schatten."

Niklas zog sie enger, und die Stadt leuchtete weiter, vollständig unbeeindruckt, während Sophie Brenner zum ersten Mal seit langer Zeit nirgendwo hin musste.

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